Kommunal- & Nachhaltigkeitsberatung

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Modellprojekt: Visionen für Ingolstadt (Stadt Ingolstadt)

Entwicklung der ersten Lokalen Nachhaltigkeitsstrategie weltweit

Bild-Visionen für Ingolstadt Im Rahmen des großen Modellprojekts „Visionen für Ingolstadt“ wurde im Vorfeld des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung das neue Instrument der Lokalen Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt und erfolgreich umgesetzt. Das Modellprojekt war Beitrag des Freistaat Bayern zum Weltgipfel in Johannesburg und Referenzprojekt für die 666 bayerischen Lokalen Agenda 21 Prozesse.

„Dieses strategisch geplante Vorgehen hat einen Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Bürgerschaft in Gang gesetzt und Bürgerbeteiligung zu einem festen Bestandteil der kommunalen Entwicklungsplanung gemacht.“
Dr. Werner Schappauf, Bayerischer Staatsminister für Landesentwicklung und Umweltfragen 

Start des Prozesses

Der Ingolstädter Lokale Agenda 21 Prozess startete 1997 mit dem Beschluss des Stadtrats, einen „Stadtentwicklungsplan mit integrierter Agenda 21“ aufzustellen. Bis zum Jahr 2000 gab es trotz dieses Beschlusses, zunächst zwei nur leicht verkoppelte Prozesse, einen verwaltungs-internen Leitbildprozess (Stadtentwicklungsplan) unter Leitung des OB-Referats (Zentrale Steuerung) und einem mit Unterstützung des Umweltreferats gestarteten „externen“ Lokalen Agenda 21 Prozess, der sich am Münchener Modell orientierte.

Prozessanalyse und Reorganisation der Lokalen Agenda 21

Im Frühjahr 2000 fand dann mit externer Unterstützung durch die SP-Group eine Prozessanalyse statt, wo eine Bewertung (Schwachstellenanalyse) der bisherigen Vorgehensweise unter verschiedenen Kriterien durchgeführt wurde. Der Ingolstädter Lokale Agenda 21 Prozess war bis zu diesem Zeitpunkt wie viele Lokale Agenda 21 Prozesse in deutschen Grosstädten mehr oder weniger projekt- und aktionsorientiert, begrenzt auf Umweltthemen, mit geringer Bürgerresonanz und fand wenig Akzeptanz in der Bevölkerung. So wurden u.a. ein Ökoprofit Projekt von der Lokalen Agenda 21 initiiert und durchgeführt. Der verwaltungsinterne Leitbildprozess war zwar im Sinne der Stadtentwicklungsplanung ganzheitlich und im Sinne des Neuen Steuerungsmodell strategisch orientiert, allerdings nicht auf Nachhaltigkeit als grundlegendes Prinzip ausgerichtet (Grafik 1).

Neue Prozessorganisation

Nach der Prozessanalyse wurde der gesamte Prozess reorganisiert und eine neue Gesamtkonzeption mit einer Prozessmodell entwickelt, wobei beide Prozesse miteinander verzahnt wurden (Stadt Ingolstadt 2002, S.10)). Dabei konnte auf die langjährigen Erfahrungen mit den Prozessmodellen der 2. Generation der Franz von Assisi Akademie zum Schutz der Erde e. V. und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zurückgegriffen werden. Das Prozessmodell mit vier Phasen und 11 großen Schritten war für das Prozessmanagement eine wichtige Orientierungshilfe, denn jeder große Schritt gliederte sich zum Teil in Hunderte kleinen Arbeitsschritten auf Grafik. Im Vordergrund standen dabei neben der Verzahnung beider Prozesse, eine breite und qualifizierte Bürgerbeteiligung bei der Entwicklung des Stadtleitbilds und des Aktionsprogramms, sowie die Vorbereitung der Umsetzungsphase.

Neue Formen breiter Bürgerbeteiligung

Ein Ziel der Reorganisation des Prozesses, war die breite und qualifizierte Beteiligung der 119.000 Bürger an dem Prozess. Der Kreis der üblichen Akteure (Verbände, etc.) und ihrer Vertreter sollte durchbrochen werden. Es ging letztlich darum, den Prozess auf eine wesentlich breitere Konsensbasis zu stellen. Letztlich so die Erkenntnis in der Stadtverwaltung, ist ein Leitbild oder eine Nachhaltigkeitsstrategie nur mit und nicht gegen den Bürger umsetzbar. Für die breite und qualifizierte Bürgerbeteiligung wurde ein spezielles Partizipationsmodul (I bis III) mit unterschiedlichen Funktionen entwickelt.

Tag der Visionen mit über 5.000 Bürgern

So standen am großen „Tag der Visionen“ am 22. Oktober 2000 (Partizipation I) der Dialog und die Kommunikation im Zentrum. Hier beteiligten sich über 5000 Bürger und Bürgerinnen. Das Programm reichte von Podiumsdiskussionen mit bekannten Persönlichkeiten wie Franz Beckenbauer oder z.B. Hubert Weinzierl bis hin zu Workshops, Ausstellungen und einem breiten Kinder- und Jugendprogramm. Über 1500 Anregungen gab es von Seiten der Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich des Entwurfs des Leitbilds und aktueller Probleme. Begleitet wurde der neue Prozess durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit mit einer Fülle von Artikeln im Ingolstädter Donaukurier (Stadtzeitung), im Ingolstädter Anzeiger, sowie im Lokalfernsehn (IN-TV) und Rundfunk (Radio-IN).

1.500 Bürgervorschläge zur nachhaltigen Stadtentwicklung

Die 1500 Bürgervorschläge wurden ausgewertet (Schritt 4) zur Stellungsnahme an Stadtrat, Verwaltung und den Lokalen Agenda 21 Arbeitskreisen geschickt (Schritt 5) , in die Leitbilder eingearbeitet (Schritt 6) und waren eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Auswahl der Leitprojekte.

Im Partizipationsmodul II stand dann der Konsens hinsichtlich des Leitbilds und der Leitprojekte im Vordergrund. Schon bei der Entwicklung der Prozessarchitektur wurde deutlich, dass für das Partizipationsmodul II ein prozessorientiertes Beteiligungsverfahren entwickelt werden musste. So wurde mit externer Unterstützung der Werkstatt für Neue Lernkultur (Prof. Dr. U. Müller) die Methodik der Bürgerkonferenz entwickelt (Grafik 3).

41 Leitprojekte für Bürgerkonferenzen

Die Bürgerkonferenzen waren für Oktober und November 2001 geplant und wurden mit Unterstützung der BAUM Consult moderiert. Auf den Bürgerkonferenzen wurden die Leitsätze zu jedem der 16 Themen diskutiert und verabschiedet und die insgesamt 41 Leitprojekte zusammen mit den Bürgern diskutiert. Wenn gleich nicht alle Vorschläge in die Leitprojekte der Bürgerkonferenzen einfließen konnten, wurden doch viele Projektideen zumindest als Leitprojekte formuliert bzw. als Teilaspekt in Leitprojekten berücksichtigt. Von insgesamt 41 Leitprojekten sind neun als Ergebnisse des bisherigen Agenda-Prozesses mit in die Bürgerkonferenzen eingeflossen. Durch die starke Beteiligung der Ingolstädter Stadtverwaltung in den Arbeitskreisen der Lokalen Agenda 21 konnten viele Ideen und Projekte in die Entscheidungs- und Planungsprozesse der Stadt einfließen. Die Ergebnisse sind in einer gesonderten Dokumentation festgehalten (Stadt Ingolstadt 2001).

Stadtratsbeschluss des Leitbilds mit Aktionsprogramm

Die Resultate der Bürgerkonferenzen sind wesentliche Bausteine für das „Leitbild und Lokale Agenda 21 Aktionsprogramm der Stadt Ingolstadt“. Im April 2002 wurde das Leitbild mit einem Aktionsprogramm mit über 160 Projekten und einem Gesamt-volumen von über 100 Mio. € vom Stadtrat einstimmig zusammen mit einem Implementierungsprojekt (Dynamische Agenda 21 ) beschlossen (Stadt Ingolstadt 2002).

Umsetzungsphase, Netzwerk und Fortschreibung

Der nächste wichtige Schritt war die Umsetzung und Fortschreibung von Leitbild und Lokale Agenda Aktionspro­gramm. Die Beteiligung der Bürger und aller Ingolstädter Organisationen wird dabei über Ingolstadt 21 „Netzwerk für ein zukunftsfähiges Ingolstadt“  erreicht.

Das Ingolstädter Netzwerk wird zunächst für die Dauer von einem Jahr  eingerichtet und in dieser Startphase organisatorisch von der Stadt Ingolstadt unter­stützt. Nach der Startphase soll Ingolstadt 21 als selbstorganisiertes Netzwerk mit vertretbaren Aufwand weiterlaufen.

Ziel des Netzwerks ist dabei auch die kontinuierliche Verbesserung der Ingolstädter Nachhaltigkeitsstrategie, die langfristige Verankerung in der Verwaltung und in der Stadt generell, die Einbindung in die örtlichen Entscheidungsprozesse und die Berichterstattung durch einen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht.

Die Abstimmung mit übergeordneten Nachhaltigkeits-strategien, Zielen und Trends wie z.B. der Bayern Agenda 21, der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie und der Nachhaltigkeitsstrategie der EU sind fester Bestandteil der Umsetzungsphase.

Die "Lokale Nachhaltigkeitsstrategie Ingolstadts" umfasst alle kommunalen Handlungsfelder wie z.B. Stadtstruktur, Gesundheit, Soziales, Mobilität, Wohnen, Wirtschaft, Arbeiten, Umwelt, Lernen und Kultur. Dabei wird die Stadtentwicklung als ein dynamisches Ganzes gesehen und verstanden.

Ein zentrale Erkenntnis des Ingolstädter Agenda 21 Prozess ist, das Nachhaltigkeits- bzw. Agenda 21 Prozesse zyklisch bzw. dynamisch verstanden werden müssen und nicht linear, wie das heute der Fall ist. Hierzu wurde in Ingolstadt der Begriff Dynamische Agenda 21 geprägt.

Link zur Stadt Ingolstadt

Projektergebnisse:

News

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